Fachtagung „Stark im Einsatz“ des Landespräventionsrates
Wer Menschen hilft, schützt oder versorgt, hat in bestimmten Situationen auch das Risiko, Bedrohungen und Gewalt erleben zu müssen. Wie können Beschäftigte in Rettungsdienst, Polizei, Pflege und anderen helfenden Berufen besser geschützt und auf schwierige Situationen vorbereitet werden? In welchen Situationen ist mit herausforderndem Verhalten zu rechnen?
Genau darum ging es bei der Fachtagung „Stark im Einsatz – Im Dienst für die Gesellschaft“ des Landespräventionsrates Rheinland-Pfalz in Mainz. Die Veranstaltung brachte Wissenschaft, Praxis und die Perspektive unmittelbar Betroffener zusammen.
Auch wir als DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe waren mit mehreren Kollegen und Perspektiven vertreten: Philipp Köhler nahm als Gast an der Gesprächsrunde mit Beschäftigten aus Rettungsdienst, Polizei und Pflege teil. Frank Dernbach, Leiter Rettungsdienst im Bereich Rheinhessen, und Johannes König, Notfallsanitäter und Vorstand des Vereins „HELFER sind TABU! e.V.“, brachten ihre Erfahrungen als Experten für Deeskalationstraining ein. Johannes König stellte zudem in einem Speed-Vortrag das Programm des Vereins vor.

Ministerium des Innern, für Integration und Verkehr

HELFER sind TABU e.V.
DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe

DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe
HELFER sind TABU e.V.
Wie relevant das Thema für den Rettungsdienst ist, zeigte auch der wissenschaftliche Impuls von Prof. Dr. Peter Imbusch. Gewalt beginnt nicht erst beim körperlichen Angriff: Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen und Drohgesten gehören ebenso dazu. Gerade verbale Gewalt macht einen großen Teil der berichteten Übergriffe aus. Gleichzeitig werden viele Vorfälle gar nicht gemeldet – unter anderem, weil sie als „Teil des Jobs“ oder als vermeintliche Bagatelle wahrgenommen werden.

Ein weiterer spannender Aspekt aus dem Vortrag von Prof. Dr. Peter Imbusch war der Blick auf Ort und Zeitpunkt der Übergriffe: Besonders häufig wurden Gewalterfahrungen in Innenstädten (ca. 45 %) und in sozial problematischen Wohngebieten (ca. 40 %) berichtet, gefolgt von bürgerlichen Vierteln mit knapp über 30 % und Bahnhofsumgebungen mit ca. 20 %. Fußgängerzonen sowie Kneipen- und Rotlichtviertel waren dagegen in den dargestellten Untersuchungen unterrepräsentiert. Zeitlich konzentrierten sich Angriffe gegen Rettungskräfte vor allem auf Abend- und Nachtstunden sowie das Wochenende. Damit machte der Vortrag deutlich, dass neben der konkreten Einsatzsituation auch sozialräumliche und zeitliche Faktoren eine Rolle bei Gewalterfahrungen spielen können.
Für wirksame Prävention braucht es deshalb mehr als einzelne Maßnahmen: gute Vorbereitung auf Konfliktsituationen, Deeskalationstraining, Wissen über Notwehr und Selbstschutz sowie Strukturen, in denen Übergriffe ernst genommen, dokumentiert und aufgearbeitet werden.