Gewalt gegen Einsatzkräfte: Große Studie zeigt überraschende Ergebnisse

MAINZ. Seit nunmehr fünf Jahren setzt sich der Verein „HELFER sind TABU“ für die Interessen von Mitarbeitenden in Rettungsdienst, Polizeibehörden und der Feuerwehr ein. Im Fokus steht dabei insbesondere die Prävention von Angriffen auf Rettungs- und Hilfskräfte. Erstmals ermöglicht nun eine vom Verein „HELFER sind TABU“ initiierte breit angelegte Studie, einen Einblick in die tatsächliche Situation hinsichtlich Gewalt gegen Einsatzkräfte aussieht.

In einer bundesweit wohl einmaligen Initiative haben Prof. Dr. mult. Mario Staller und Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner gemeinsam mit Rettungs- und Einsatzkräften aus allen Diensten der Region ein umfassendes Konzept zur Verhütung von gewalttätigen Übergriffen gegen Einsatzkräfte erarbeitet. Unter Teilnahme des rheinland-pfälzischen Innenministers Michael Ebling stellen die beiden Studienleiter vom Institut für professionelles Konfliktmanagement nun die Ergebnisse der in Rheinhessen durchgeführten Studie vor.
 
Gegenstand der repräsentativen und in Deutschland bislang einzigartigen Studie war die Datenauswertung von über 360.000 Rettungseinsätzen im Bereich Rheinhessen aus den Jahren 2019 – 2022. Durch die digitale Erfassung von verschiedenen Vorfällen in einem standardisierten Erfassungstool, konnte so auf einen validen und entsprechend großen Datenbestand zurückgegriffen werden.
 
In dieser Zeit waren 76 Vorfälle zu verzeichnen, darunter als Hauptfall 32 Beleidigungen. Gemeldet wurden aber auch 12 vollendete und 19 versuchte Körperverletzungen. Zum Vergleich: für das Jahr 2021 weist die polizeiliche Kriminalstatistik 114 Gewaltvorfälle gegen Rettungskräfte aus, während die Erhebung der Studie im gleichen Jahr 16 solcher Fälle verzeichnet. Im Vergleich der Bevölkerungszahlen (rund 650.000 im Rettungsdienstbereich Rheinhessen zu rund 4 Millionen in Rheinland-Pfalz) lieget die Rate damit knapp unter den 18.525 Fällen bei denen wir rein rechnerisch im Landesdurchschnitt liegen müssten.
 
„Die Ergebnisse sind für uns als Land Rheinland-Pfalz natürlich erfreulich. Sie zeigen deutlich, dass die Arbeit von Einsatzkräften in unserem Land einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert haben.  Als Innenminister liegt es mir besonders am Herzen, dass Mitarbeitende in den Einsatzdiensten sich bei Ihrer Tätigkeit sicher und wertgeschätzt fühlen und ihre Tätigkeit in einem attraktiven Umfeld ausüben können. Getreu dem Motto ‘Helfende Hände schlägt man nicht’ gilt es alle Angriffe und Beleidigungen gegen Einsatzkräfte zu verfolgen und in keiner Weise zu tolerieren. Damit dies gelingt, haben wir als Landesregierung bereits viele Maßnahmen und Initiativen ins Leben gerufen, welche dieses Ziel wirksam unterstützen.“ kommentiert Michael Ebling, Minister des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz die Studienergebnisse.
 
Auch wenn eine gewisse Dunkelziffer nicht auszuschließen ist, zeigen die Studienergebnisse deutlich, dass Angriffe gegen Einsatzkräfte eben kein Massenphänomen mit täglichen Attacken darstellen. Anders als vielmals medial wahrgenommen, sind Berufsbilder wie Notfallsaniäter*in, Feuerwehrbeamt*in oder andere Berufe im Bereich der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben vielmehr von Anerkennung und Wertschätzung in der Gesamtbevölkerung geprägt.
 
Der erste Vorsitzende des Vereins „HELFER sind TABU“, Dr. Stefan Cludius ergänzt: „Die Zahlen waren eine wertvolle Hilfe bei der Verfeinerung der Gewaltpräventionstrainings, das von den Professoren Staller und Körner und den von Ihnen geschulten Trainern aus den Reihen der Einsatzkräfte ständig in Interaktion mit den Kursteilnehmern angeboten wird. Als Vertreter der Rettungsdienstbehörde bin ich grundsätzlich beruhigt, dass die nun wissenschaftlich evaluierte Realität besser ist, als oft subjektiv wahrgenommen. Trotz aller positiven Signale, welche die Ergebnisse der Studie erkennen lassen, ist es wichtig, dass unsere Einsatzkräfte das notwendige Rüstzeug haben, um mit brenzligen Situationen umgehen zu können.
 
Ergänzend merkt Jörg Steinheimer, zweiter Vorsitzender des Vereins „HELFER sind TABU“ und Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe an: „Unsere 800 Mitarbeitenden sind jederzeit bereit Leben zu retten – ohne Ansehen der Person. Allein was zählt ist die individuelle Notlage des Patienten. Ich bin dankbar, für die Unterstützung durch den Verein „HELFER sind TABU“ welche allen Mitarbeitenden in den Rettungsorganisationen durch Präventionstrainings zu Teil wird und bin gleichzeitig beruhigt, dass das viel zitierte Massenphänomen der Gewalt gegen Einsatzkräfte eben keines ist.“
 
Möglich wurde die Umsetzung der Studie durch die finanzielle Unterstützung der ADAC Stiftung. „Ich freue mich, dass wir bei unserem gemeinsamen Thema, nämlich der Sicherheit von Helfenden im Einsatz unterstützen konnten. Zudem hoffe ich, dass die Aktivitäten in Ihrer Region auch bundesweite Strahlkraft haben, damit möglichst viele Einsatzkräfte in den Genuss der von ihnen entwickelten Gewaltpräventionstrainings kommen können.“ schließt sich Christina Tilmann, Vorständin der ADAC Stiftung an.